Politiker und Gesichter: Dirk Niebel

Politiker und Gesichter: Dirk Niebel

No-Go-Area

Episoden vom begrüßenswerten Ende der Sozialdemokratie III:

Sarrazins bitteres Fazit: „Ein verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analysen zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt.“

“ER warf Sarrazin aus dem Döner-Laden” Bild.de, 18.7.2011

Das ZDF hatte also vor kurzem die Eingebung, dass Minderheitenwitze erst dann richtig gut werden, wenn sie an der jeweiligen Minderheit ausprobiert werden und lud deshalb Thilo Sarrazin zum Plausch mit den Kreuzberger Kopftuchmädchenproduzenten ein. Es kam, wie das ZDF gehofft hatte: der Mob verjagt Thilo aus seinem Kiez und der meldete sich umgehend bei der Bild, um dort über die mangelnde Toleranz der Kreuzberger Bevölkerung zu jammern. Dabei verstehen Sarrazin und ähnlicher Abschaum Leute unter Toleranz ausschließlich, dass ihre ressentimentgeladene Kaffeesatzleserei von den Zielen ihrer wirren Analysen gefälligst widerspruchslos hingenommen werden soll. Toleranz bedeutet also für sie nichts anderes, als dass sie einem in den Vorgarten scheißen und sich dann noch beschweren, dass man ihnen kein Toilettenpapier reicht.

aus dem zusammenhang zitiert und gerissen:

Wenn ich zuständig wäre, würde ich alle plattmachen. Insbesondere türkische und arabische Jugendliche

Thilo Sarrazin in der Bild

Homöophatische Notaufnahme

-> Ergänzung

(Source: reflexion.blogsport.de)

ueber das begruessenswerte ende des simpsonstums:

hat bereits vor ein paar jahren der agitpopblog zwei ellenlange artikel geschrieben, denen in den meisten punkten absolut zuzustimmen ist:

Teil 1

Teil 2

Artikel über das begrüßenswerte vielleichtende der simpsons hier und bald überall.

nur gezogen, nicht inhaliert:

Auch das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) setzt das umstrittene Trojaner-Computerprogamm ein. „Aber nur, soweit es die gesetzlichen Vorgaben erlauben“, sagte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) nach Angaben des NDR.

Uwe Schünemann ist sowieso ein ganz grosser, von dem ich hoffe, dass er den sprung in die bundespolitik schafft. Er ist nicht nur ein begnadeter Sicherheitspolitiker, vor ein paar jahren galt er auch mal als experte für gewaltspiele, einerseits weil er sich mit gewaltspielen auskennt: andererseits weil er, typisch für “Experten” von seinem Schlag, durch absolute Unkenntnis jedweder Materie besticht und sich nicht scheut, diese Unkenntnis auch lautstark herauszuposaunen (z.B. Killerspielverbot). Ein wirrkopf par excellence vom Schlage Wolfgang Thierse also, bei denen erstmal immer davon auszugehen ist: das Gegenteil von dem was sie sagen ist richtig.

über die “postideologie” der piratenpartei:

Sinnbilder für Aufklärung gibt es viele, allein die Lichtmetaphorik schimmert von jeher zwischen lumen naturale und lux interna. Transparenz hingegen hat ein einziges Symbol, und zwar – Glas. Konkret ist zum Beispiel die politische Symbolik der Kuppel des Berliner Reichstags, nämlich Transparenz in die parlamentarischen Vorgänge zu bringen, nicht nur dürftig, sondern geradezu beschämend. Denn dadurch, dass man den Parlamentariern bei ihrer Berufstätigkeit namens Politikmachen zusehen kann, wurde noch nichts von dem, was hier tagtäglich entschieden und beschlossen wird, verhindert, keine Gesundheitsreform, kein Kriegseinsatz und kein Abschiebebeschluss. […]Es wird nämlich der bizarre Wunsch vorgebracht, dass man wenigstens, wenn die Verhältnisse schon nicht zu ändern sind, über sie korrekt informiert werden möchte.[…] Die Forderung nach Transparenz folgt dem Wunsch, gut regiert zu werden, was ja bereits das Einverständnis darüber voraussetzt, überhaupt regiert zu werden [und] hätte bestenfalls zur Folge, dass man in der institutionalisierten Politik über die Inhaltsstoffe und Herstellungsbedingungen informiert wird, ähnlich den Angaben auf Nahrungsmitteln, Bekleidung und dergleichen.

aus “Aufklärung statt Transparenz” von Roger Behrens, jungle world. 

Episoden vom begrüßenswerten Ende der Sozialdemokratie IV:

Gremliza in der Konki:

“Wer hier fehlt , ist, wie gesagt, nicht der kritische Theoretiker, sondern der aus dem grimmen Bauch der Gesellschaft quengelnde Mahner. Es fehlt hier, kurzum, der Günter Grass. Was glücklicherweise nicht fehlt, ist das “Handelsblatt”, das ihn in der Parteizentrale der SPD gefunden hat:

“Dann begann Grass seine Abrechnung mit dem Kapitalismus. “Wir erleben, daß das System, in dem wir leben, das kapitalistische, sich in einem Zustand der Selbstzerstörung befindet”, tönt der 83jährige Schriftsteller. “Aber niemand hat den Mut, von einem Systemwechsel zu sprechen.” Applaus brandet auf. “Wir müssen das System, unter dem wir leben und zu Konsumenten degradiert sind, aufbrechen”, ruft Grass. “Die SPD sollte ihrer Tradition folgen und sich zum Sprecher dieser grundsätzlichen Veränderung machen.” Die Menschen im Willy-Brandt-Haus klatschen nun wild…”

Solange ich mit solchen Gemütsaufhellern gedopt werde, mit Sätzen, in denen das kapitalistische System sich gerade selbst umbringt, wenn wir Sozialdemokraten es nicht aufbrechen und unserer Tradition (von Noske bis Schmidt) mutig folgend grundsätzliche Veränderungen, vermutlich zu einem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz, und so weiter, komm` wenigstens ich vor Lachen nicht zu meiner wohlverdienten Depression.”

konkret 11/2011

(Source: )

Manchmal sitzen wir zusammen und beobachten die welt durch unseren küchenfernseher und dieses mal fiel uns auf, dass es dort eine experteninflation gibt. jeder ist heutzutage experte für irgendwas. und weil wir gelegentlich hungern müssen, während wir auf den kommunismus warten, sammeln wir einfälle um im kapitalismus an geld zu kommen. also dachten wir, gründen wir ein institut. ein institut für experten! denn was passiert mit geld in einer inflation? neue scheine werden gedruckt mit mehr nullen drauf. das gleiche macht unser institut: es vermittelt instituts-experten! und die zahlen uns geld, damit sie welche sein dürfen.
deutsche institutsexpertenregierung
neology:

deutsche expertenregierung.

Manchmal sitzen wir zusammen und beobachten die welt durch unseren küchenfernseher und dieses mal fiel uns auf, dass es dort eine experteninflation gibt. jeder ist heutzutage experte für irgendwas. und weil wir gelegentlich hungern müssen, während wir auf den kommunismus warten, sammeln wir einfälle um im kapitalismus an geld zu kommen. also dachten wir, gründen wir ein institut. ein institut für experten! denn was passiert mit geld in einer inflation? neue scheine werden gedruckt mit mehr nullen drauf. das gleiche macht unser institut: es vermittelt instituts-experten! und die zahlen uns geld, damit sie welche sein dürfen.

deutsche institutsexpertenregierung

neology:

deutsche expertenregierung.

amusement

Wer die offizielle Version des 11. September nicht total in Frage stellt ist schon schwer geistig verwirrt. Daher ist mir ein Ken Jebsen schon mal symtaisch.

Reflexion gegen kenFM plus Verschwörungstheoretiker-Mob und Volltrottel-Antisemiten-Deppen von der Piratenpartei in den Kommentarspalten = großartig:  90 Minuten, Verlängerung, auf den Rängen.

was tun gegen diesen mob aus verblödeten weltverbesserern, die sich in ihrer ahnungs- und wissenschaftsfeindlichkeit an jeden deppen klammern, der ihnen ihre eigene Blödheit mit strunzdoofen Verschwörungstheorien nicht nur erträglich macht, nein, sie fühlen sich auch noch als avantgarde und schätzen ihren hohepriester des ressentiments dafür, dass er sie “zum nachdenken anregt”, was bei ihnen nur bedeutet, dass sie jeden müll nachplappern ohne auch nur einmal so zu tun als würden sie tatsächlich drüber nachdenken oder, ach, reflektieren.

und dann noch ständig die passenden bewegungen dazu, von piraten bis occupy, die so zum kotzen demokratisch sind, dass jeder idiot dort seine halbgare weltsicht ausbreiten kann. hauptsache bewegung. den pluralismus muß man halt aushalten.

Einfach mal als selbstversuch ein zelt vorm rathaus aufgeschlagen, ein schild gemalt mit der parole “Mieten runter!” und einen twitteraccount und eine facebookseite eingerichtet. nach einer stunde kommt der erste follower vors rathaus. der ist auch gegen hohe mieten, für mehr direkte demokratie und dafür, dass die Amis erstmal zugeben, dass 911 ein insidejob war. dem nächsten der kommt sind die mieten egal, aber er hat angst vor chemtrails und warnt vorm dritten weltkrieg, den die USA und Israel in kürze losbrechen. der dritte der kommt, will die jüdische finanzknechtschaft brechen, dass alle endlich verstehen, der holocaust ist eine jüdische verschwörung und alle regierungen sind von finsteren mächten unterwandert und fordert mehr direkte demokratie. der nächste findet, dass fernseh- und handystrahlung die menschen zu zombies macht und israel voll scheisse ist, weil die israelis total doof sind, also nicht die juden, sondern die israelis, obwohl die arabischen israelis voll unterdrückt werden und die deshalb dann doch wieder nicht doof sind und überhaupt ist israel kein natürlicher staat, wie jetzt z.B. Deutschland oder so. Als letztes kommen die Piraten und finden alles voll super und zeigen auf ihren iphones unterstützer-tweets rum, die ihre abgeordneten gerade von einer plenarsitzung aus veröffentlich haben. jetzt schreibst du bei facebook und twitter, dass sich auf deinem Mieten-Protest leider Verschwörungstheoretiker befinden, woraufhin du in den kommentarspalten bei facebook als mossad-agent bezeichnet wirst, der von broder bezahlt wird um die bewegung zu spalten. wenn du nicht sogar selbst broder bist. der nächste beschwert sich, dass immer gleich die antisemitismus-keule geschwungen wird, wenn er sagt die juden haben schuld, dabei sei er gar kein antisemit. innerhalb von 10 minuten drücken 2000 leute auf “gefällt mir”. du nimmst dein schild und verlässt die Demo. kurz bevor du das ende der demo erreichst, drückt dir eine ältere Frau, deren sachen nach patchouli riechen, einen flyer in die hand, der dich über die Vorteile der traditionellen chinesischen Medizin informiert.

aber manchmal holt eine längere belichtungszeit botschaften hervor, die in der finsternis sonst verborgen bleiben.

aber manchmal holt eine längere belichtungszeit botschaften hervor, die in der finsternis sonst verborgen bleiben.

dieser strunzdumme artikel in der zeit zeigt dann doch in seiner ganzen menschenverachtung, seinem dumpfen nationalismus, klebrigen pathos und hilflosem Biologismus, warum leuten nicht zu helfen ist, die spd wählen und sich tatsächlich trotzdem verwundert umschauen, wenn sie mal wieder als das schlachtvieh enden, das sich in seiner dusseligkeit die schlächter selbst gewählt hat:

Europas Regierungschefs können Angela Merkel um die deutsche Opposition beneiden, vor allem um deren stärkste Kraft, die SPD. […] Zuerst die Partei, dann das Land – in normalen Zeiten schadet diese Einstellung, zumindest in halbwegs funktionierenden Demokratien, der Partei selbst. In einer existenziellen Krise schadet sie immer dem Land. Mit einer Opposition, die sich auch dann noch ins Zentrum ihres Denkens und Handels stellt, lässt sich kein Staat mehr machen. Kein nationaler retten, kein europäischer bilden. Mit den deutschen Sozialdemokraten geht das. […] Sie stellen die nationalen Interessen über ihren parteipolitischen Vorteil und verteidigen die Rettungslinie der Regierung – bei aller Kritik – gegen die publikumswirksamen Vereinfachungen des Populismus. Nicht dass sie nach dem Staat rufen, so zeigt sich in der Krise, ist in den Genen der Sozialdemokraten angelegt, sondern dass sie ihn tragen. Das macht sie zu deutschen Patrioten. […] Für ihren Patriotismus, das ist die bittere Ironie, hat die SPD stets bezahlt. Die Agenda 2010 war ein von Verantwortung getragener Akt. Die Sozialdemokraten machten Deutschland wieder wettbewerbsfähig, wohl wissend, dass der dafür notwendige Umbau des Sozialstaates die eigene Stammklientel betraf und massiv verärgerte. Deutschland steht heute wirtschaftlich so glänzend da, weil die SPD damals das Risiko einging, die Macht zu verlieren. Und auch verlor. […] Vor zwei Jahren, nach ihrem historischen Debakel bei der Bundestagswahl, hat die SPD Sigmar Gabriel zum Vorsitzenden gewählt, den vermeintlich erratischen Übertaktierer mit dem Lautstärkeregler auf Daueranschlag. An diesem Sonntag steht er beim SPD-Parteitag in Berlin zur Wiederwahl. Unter ihm, ausgerechnet unter ihm, erweist sich die SPD in der Finanzkrise als verlässliche, grundsolide politische Kraft, von der man genau weiß, wo sie steht: dort, wo man den Staat tragen muss. Am Platz für Patrioten.

Dann doch lieber Hammerhead - Zum Glück SPD