episoden vom begrüßenswerten ende der sozialdemokratie I:
Sigmar Gabriel steht in der Parteizentrale und dröhnt sich allmählich in Fahrt. Man weiß nie genau, wo das endet.
Er gratuliert, er dankt, zählt sozialdemokratische Ministerpräsidenten auf, und als er bei Mecklenburg-Vorpommern angekommen ist, röhrt er: “Der Erwin Sellering, der kann leider heute Abend nicht hier sein. Aber der Erwin hat sein bestes Stück geschickt!”
Gemeint ist Manuela Schwesig, die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende Bundesvorsitzende.
aus “Schlicht schön” von Christoph Hickmann
Episoden vom begrüßenswerten Ende der Sozialdemokratie II:
Im September letzten Jahres schrieb Parteichef Gabriel in der “Zeit” zu Sarrazins rassistischen Thesen:”Wer uns empfiehlt, diese Botschaft in unseren Reihen zu dulden, der fordert uns zur Aufgabe all dessen auf, was Sozialdemokratie ausmacht: unser Bild vom freien und zur Emanzipation fähigen Menschen.”
aus “hier konkret, Interview mit Sergey Lagodinsky” in konkret 6/11
Episoden vom begrüßenswerten Ende der Sozialdemokratie III:
Sarrazins bitteres Fazit: „Ein verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analysen zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt.“
“ER warf Sarrazin aus dem Döner-Laden” Bild.de, 18.7.2011
Das ZDF hatte also vor kurzem die Eingebung, dass Minderheitenwitze erst dann richtig gut werden, wenn sie an der jeweiligen Minderheit ausprobiert werden und lud deshalb Thilo Sarrazin zum Plausch mit den Kreuzberger Kopftuchmädchenproduzenten ein. Es kam, wie das ZDF gehofft hatte: der Mob verjagt Thilo aus seinem Kiez und der meldete sich umgehend bei der Bild, um dort über die mangelnde Toleranz der Kreuzberger Bevölkerung zu jammern. Dabei verstehen Sarrazin und ähnlicher Abschaum Leute unter Toleranz ausschließlich, dass ihre ressentimentgeladene Kaffeesatzleserei von den Zielen ihrer wirren Analysen gefälligst widerspruchslos hingenommen werden soll. Toleranz bedeutet also für sie nichts anderes, als dass sie einem in den Vorgarten scheißen und sich dann noch beschweren, dass man ihnen kein Toilettenpapier reicht.
Episoden vom begrüßenswerten Ende der Sozialdemokratie IV:
Gremliza in der Konki:
“Wer hier fehlt , ist, wie gesagt, nicht der kritische Theoretiker, sondern der aus dem grimmen Bauch der Gesellschaft quengelnde Mahner. Es fehlt hier, kurzum, der Günter Grass. Was glücklicherweise nicht fehlt, ist das “Handelsblatt”, das ihn in der Parteizentrale der SPD gefunden hat:
“Dann begann Grass seine Abrechnung mit dem Kapitalismus. “Wir erleben, daß das System, in dem wir leben, das kapitalistische, sich in einem Zustand der Selbstzerstörung befindet”, tönt der 83jährige Schriftsteller. “Aber niemand hat den Mut, von einem Systemwechsel zu sprechen.” Applaus brandet auf. “Wir müssen das System, unter dem wir leben und zu Konsumenten degradiert sind, aufbrechen”, ruft Grass. “Die SPD sollte ihrer Tradition folgen und sich zum Sprecher dieser grundsätzlichen Veränderung machen.” Die Menschen im Willy-Brandt-Haus klatschen nun wild…”
Solange ich mit solchen Gemütsaufhellern gedopt werde, mit Sätzen, in denen das kapitalistische System sich gerade selbst umbringt, wenn wir Sozialdemokraten es nicht aufbrechen und unserer Tradition (von Noske bis Schmidt) mutig folgend grundsätzliche Veränderungen, vermutlich zu einem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz, und so weiter, komm` wenigstens ich vor Lachen nicht zu meiner wohlverdienten Depression.”
konkret 11/2011
(Source: )