Am nächsten Morgen erscheint der Philosoph in exakt derselben Garderobe wie am Vortag: alles in Beige. Ein Kamerateam möchte Žižek zum Occupy-Camp begleiten, das seine Zelte an der Gallusanlage unter den Türmen der Hochfinanz aufgeschlagen hat. Žižek steigt auf dem höchsten Erregungslevel ein – mit einem Schreck begreift er, welche Bilder die moderne Mediendemokratie da von ihm erwartet: »Fuck! Ich soll mit linken Demonstranten sprechen? Ich hasse die Typen. Nein wirklich, ich habe Angst vor denen.«

Mit am Rücken verschränkten Händen wandelt der kleine Mann in Beige zwischen den Zelten umher. Funkelnde Banken-Tower, Zelte, Bretterbuden, Hunde, Dixi-Klos. Die Transparente verbreiten Revolutionslyrik: »Make Love not Hedgefonds«, »Zwischen Hoffnung und Banken«, »Neues Leben wagen, Bankmacht zerschlagen«. Žižek: »Je mehr ich von diesen Botschaften lese, desto deprimierter bin ich.« Ratlos schaut Žižek den Kameramann an: »Was machen wir jetzt? Ich brauche klare Befehle.« Der Kameramann möchte, dass Žižek mit den Occupy-Leuten in Kontakt tritt. Ein betrunkener Rastafari-Mann kommt auf den Philosophen zugetorkelt, der Philosoph spricht: »Darf ich die Polizei rufen?« […]

(Source: zeit.de)