Was die postnazistische Normalität im heutigen Deutschland ausmacht, lässt sich mit einem einzigen Zitat eines deutschen Historikers treffend illustrieren. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten 2010 für das Holocaustmahnmal in Berlin verkündete der Faschismusforscher Eberhard Jäckel: »In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal.« Der Tagesspiegel freute sich angesichts des »Bürgerfestes am Stelenfeld« über die »Erfolgsgeschichte Holocaustmahnmal«. Das passende Motto könnte mittlerweile lauten: »Vergangenheitsbewältigung ist ein Meister aus Deutschland.«

Man weiß inzwischen, was man am Massenmord an den europäischen Juden hat und wie politischer Mehrwert aus seiner vergangenheitspolitischen Bewirtschaftung gezogen werden kann. Je mehr öffentliche Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, desto besser kann man den ehemaligen Opfern der Deutschen und ihrer Hilfsvölker Vorschriften machen. Je mehr Gedenken an die ermordeten Juden, umso hemmungsloser kann man sich den Antisemiten von heute an den Hals werfen.

Stephan Grigat: “Von Deutschland lernen” 

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Unter Wutbürgern ist Kapitalismuskritik nur als Karikatur zu haben: als Lobbykritik nämlich. Lobbyismus aber, also das Verfolgen eigener Interessen in einem kapitalistischen Universum, ist der deutschen Ideologie, der es immer ums halluzinierte Großeganze geht, seit jeher besonders suspekt. Ralf Schröder hat diese Haltung treffend charakterisiert: “Man halluziniert den Apparat der staatlichen Verwaltungen und Parlamente als bloße und damit neutrale Form, die recht ordentlich und auch im Sinne des Gemeinwohls funktionieren würde, sobald alle Staatsbürger gleichberechtigt und öffentlich ihre Anliegen hineinkommunizieren dürften. Aus der Perspektive des lobbykritischen Betriebskindergartens können die Erfordernisse der Kapitalverwertung alle anderen Ansprüche nur deshalb beständig dominieren, weil ihre Agenten über einen kurzen Draht zu den ‘Entscheidungsträgern’ verfügen”
[…]
Die reale Ohnmacht der Menschen angesichts der Vormacht der Verhältnisse, in denen sie leben, drängt Wutbürger aber nicht nur zur Identifikation unmittelbar “Schuldiger”, sondern auch zur Durchsetzung des “Volkswillens”.
Auch mit Blick auf Stuttgart waren viele Linke mal wieder regelrecht “vom Volk besoffen” und vergaßen jede Kritik, sobald sich die geliebten Massen auf die Straße begaben. “Direkte Demokratie” – ja, du meine Güte! Wo einem doch bei klarem Verstand vor dem
“Prinzip Volksentscheid” unter den obwaltenden Umständen nur grausen kann. Die Zustimmungswerte für Thilo Sarrazin, die Schweizer Abstimmungen übers Minarettverbot und die “Ausschaffung krimineller Ausländer” – schon vergessen? Ob sich nun, nach der Stuttgarter Lektion in direkter Demokratie, bei diesen Linken Ernüchterung einstellt?
[…]
Kritik, die der Gesellschaft an die Substanz geht, hat es naturgemäß schwer: Sie nötigt zur mühsamen Auseinandersetzung mit abstrakten Verhältnissen und findet keinen Trost im Positiven. Doch Wutbürger/innen scheuen die vorbehaltlose Kritik, sie möchten das rettende Ufer des gleichwohl Machbaren nicht aus den Augen verlieren.

http://www.tueinfo.org/cms/node/19951

Aus “Bevor die WutLinken wieder in Stuttgart für den Juchtenkäfer demonstrieren” von Lothar Galow-Bergemann in Konkret 1/2012

(via kayohkayn)

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garp:

Sonneborns Gesinnungscheck

“Martin Sonneborn auf Entnazifizierungstour in Gera.”

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Spoonboy - my generation

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FOX News vs the Muppets: Are liberals trying to brainwash your kids against capitalism?

(Source: filmstarts.de)

dieser strunzdumme artikel in der zeit zeigt dann doch in seiner ganzen menschenverachtung, seinem dumpfen nationalismus, klebrigen pathos und hilflosem Biologismus, warum leuten nicht zu helfen ist, die spd wählen und sich tatsächlich trotzdem verwundert umschauen, wenn sie mal wieder als das schlachtvieh enden, das sich in seiner dusseligkeit die schlächter selbst gewählt hat:

Europas Regierungschefs können Angela Merkel um die deutsche Opposition beneiden, vor allem um deren stärkste Kraft, die SPD. […] Zuerst die Partei, dann das Land – in normalen Zeiten schadet diese Einstellung, zumindest in halbwegs funktionierenden Demokratien, der Partei selbst. In einer existenziellen Krise schadet sie immer dem Land. Mit einer Opposition, die sich auch dann noch ins Zentrum ihres Denkens und Handels stellt, lässt sich kein Staat mehr machen. Kein nationaler retten, kein europäischer bilden. Mit den deutschen Sozialdemokraten geht das. […] Sie stellen die nationalen Interessen über ihren parteipolitischen Vorteil und verteidigen die Rettungslinie der Regierung – bei aller Kritik – gegen die publikumswirksamen Vereinfachungen des Populismus. Nicht dass sie nach dem Staat rufen, so zeigt sich in der Krise, ist in den Genen der Sozialdemokraten angelegt, sondern dass sie ihn tragen. Das macht sie zu deutschen Patrioten. […] Für ihren Patriotismus, das ist die bittere Ironie, hat die SPD stets bezahlt. Die Agenda 2010 war ein von Verantwortung getragener Akt. Die Sozialdemokraten machten Deutschland wieder wettbewerbsfähig, wohl wissend, dass der dafür notwendige Umbau des Sozialstaates die eigene Stammklientel betraf und massiv verärgerte. Deutschland steht heute wirtschaftlich so glänzend da, weil die SPD damals das Risiko einging, die Macht zu verlieren. Und auch verlor. […] Vor zwei Jahren, nach ihrem historischen Debakel bei der Bundestagswahl, hat die SPD Sigmar Gabriel zum Vorsitzenden gewählt, den vermeintlich erratischen Übertaktierer mit dem Lautstärkeregler auf Daueranschlag. An diesem Sonntag steht er beim SPD-Parteitag in Berlin zur Wiederwahl. Unter ihm, ausgerechnet unter ihm, erweist sich die SPD in der Finanzkrise als verlässliche, grundsolide politische Kraft, von der man genau weiß, wo sie steht: dort, wo man den Staat tragen muss. Am Platz für Patrioten.

Dann doch lieber Hammerhead - Zum Glück SPD

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Das Niederschmetternde einer auf Gedeih und Verderb an die Verwertung von Kapital geketteten Gesellschaft besteht darin, dass in ihr das millionenfache Verhungern von Menschen, die zwar Lebensmittel „nachfragen“, aber eben über keine zahlungskräftige Nachfrage verfügen, achselzuckend in Kauf genommen wird. Das Obszöne dieser Gesellschaft besteht darin, dass Luxus und Genuss den meisten Menschen auch in den materiell vergleichsweise abgesicherten Weltgegenden vorenthalten werden, obwohl das angesichts der entwickelten menschlichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten nicht notwendig wäre. Nicht etwa weil das irgendwelche finsteren Mächte so beschlossen hätten, sondern weil es schlicht der Logik des Systems der Kapitalakkumulation entspricht, gegen das es heute keine wahrnehmbaren Einwände mehr gibt - es sei denn von Leuten, welche die bestehende Gesellschaft durch noch Schlimmeres ersetzen wollen.

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epic4chan:

All I Want For Christmas Rage  画

epic4chan:

All I Want For Christmas Rage 

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Am nächsten Morgen erscheint der Philosoph in exakt derselben Garderobe wie am Vortag: alles in Beige. Ein Kamerateam möchte Žižek zum Occupy-Camp begleiten, das seine Zelte an der Gallusanlage unter den Türmen der Hochfinanz aufgeschlagen hat. Žižek steigt auf dem höchsten Erregungslevel ein – mit einem Schreck begreift er, welche Bilder die moderne Mediendemokratie da von ihm erwartet: »Fuck! Ich soll mit linken Demonstranten sprechen? Ich hasse die Typen. Nein wirklich, ich habe Angst vor denen.«

Mit am Rücken verschränkten Händen wandelt der kleine Mann in Beige zwischen den Zelten umher. Funkelnde Banken-Tower, Zelte, Bretterbuden, Hunde, Dixi-Klos. Die Transparente verbreiten Revolutionslyrik: »Make Love not Hedgefonds«, »Zwischen Hoffnung und Banken«, »Neues Leben wagen, Bankmacht zerschlagen«. Žižek: »Je mehr ich von diesen Botschaften lese, desto deprimierter bin ich.« Ratlos schaut Žižek den Kameramann an: »Was machen wir jetzt? Ich brauche klare Befehle.« Der Kameramann möchte, dass Žižek mit den Occupy-Leuten in Kontakt tritt. Ein betrunkener Rastafari-Mann kommt auf den Philosophen zugetorkelt, der Philosoph spricht: »Darf ich die Polizei rufen?« […]

(Source: zeit.de)

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aber manchmal holt eine längere belichtungszeit botschaften hervor, die in der finsternis sonst verborgen bleiben.

aber manchmal holt eine längere belichtungszeit botschaften hervor, die in der finsternis sonst verborgen bleiben.

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epic4chan:

Taking a picture of the moon… every fucking time!  画

epic4chan:

Taking a picture of the moon… every fucking time! 

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